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Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Bau- und Montagearbeiten

Informationen zum GDA-Arbeitsprogramm Bau- und Montagearbeiten

Beschäftigte in der Baubranche sind einem erhöhten Unfall- und Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Die Unfallquote in der Bauwirtschaft liegt mehr als doppelt so hoch wie in der gesamten gewerblichen Wirtschaft.

Bereits die "klassischen" Bedingungen auf Baustellen führen zu einem erhöhten Gefährdungspotenzial. Dazu gehören

  • die Art der Arbeit, z. B. Arbeiten in der Höhe, das Heben und Tragen schwerer Lasten, Arbeit in engen Räumen, Gefahrstoffe
  • nichtstationäre, temporäre Arbeiten
  • Klimaeinflüsse
  • Termindruck, z. B. durch nichtoptimale Projekt- und Ablaufplanung und vertragliche Vorgaben

Diese "harten" und "weichen" Einflussfaktoren können zu enormen physischen und psychischen Belastungen der Beschäftigten führen. Kommen außerdem Mängel in der Arbeitssicherheit hinzu, sind Unfälle nicht selten die Folge.

Ziele des Arbeitsprogramms

Das Arbeitsprogramm Bau- und Montagearbeiten wurde gestartet, um Häufigkeit und Schwere von Arbeitsunfällen auf Baustellen zu reduzieren. Der Schwerpunkt lag auf zwei besonders unfallträchtigen Bereichen:

  • Gerüstbauarbeiten und die Benutzung von Gerüsten
  • Abbruch- und Rückbauarbeiten

Erfahrungen zeigen: Unfälle auf Baustellen haben ihre konkreten Ursachen oft im organisatorischen Bereich, z.B. in schlechter Koordination und Planung der Arbeiten. Damit das erhöhte Gefährdungspotenzial auf Baustellen nicht zu erhöhten Unfallzahlen führt, verfolgten die Aktivitäten im Rahmen des Arbeitsprogramms folgende Ziele:

  • Verbesserung der systematischen Wahrnehmung des Arbeitsschutzes
  • Verbesserung der Planung und Koordination der Arbeitsabläufe auf Baustellen
  • Erhöhung des Sicherheitsbewusstseins der Beteiligten
  • Reduktion von psychischen Belastungen der Beschäftigten

Geplant und durchgeführt wurde das Arbeitsprogramm Bau von den für den Arbeitsschutz zuständigen Landesbehörden, den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Mitgewirkt haben weitere Kooperationspartner, wie z. B. die Gewerkschaft IG BAU, Arbeitgeberverbände, Handwerksorganisationen, Hersteller und Fachverbände. Die Aktivitäten fanden zwischen 2009 und 2012 statt.

Zielgruppen

Ein wirkungsvoller Arbeits- und Gesundheitsschutz auf Baustellen kann nur gemeinsam gelingen. Daher wendete sich das Arbeitsprogramm an alle Beteiligten, die Arbeitsschutzmaßnahmen auf Baustellen planen, koordinieren, durchführen und anwenden. Dazu gehören:

  • Arbeitgeber und Führungskräfte (z. B. Bauleiter und Poliere)
  • Beschäftigte auf Baustellen
  • Architekten, Ingenieure und Koordinatoren
  • Bauherren
  • Hersteller bzw. Inverkehrbringer von Arbeitsmitteln, z.B. Baugerüsten

Um die verschiedenen Beteiligten zu erreichen, wurden eine Reihe maßgeschneiderter Aktivitäten entwickelt und durchgeführt.

Aktivitäten auf Baustellen

Im Zeitraum von Juli 2010 bis Juni 2012 wurden durch das Aufsichtspersonal insgesamt mehr als 65.000 Baustellenrevisionen durchgeführt. Mittels eines standardisierten Modells wurden etwaige Arbeitsschutzmängel bewertet und mutmaßliche "Verursacher"  identifiziert. Daraus konnten weiterführende Maßnahmen abgeleitet werden, beispielsweise Gespräche mit Bauherren oder Bauleitern.

Beratung der Bauunternehmen

Aufbauend auf den bei Baustellenbesichtigungen festgestellten Defiziten wurden vom Aufsichtspersonal gezielt Präventionsgespräche am Sitz des Unternehmens geführt. Ziel der Beratung war es, die Unternehmen zu motivieren, geeignete Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zu organisieren.

In den Gesprächen wurden z.B. Instrumentarien zur Stärkung des betrieblichen Arbeitsschutzes dargestellt, auf die Notwendigkeit der Gefährdungsbeurteilung und der daraus zu treffenden Maßnahmen hingewiesen und der Nutzen dieser Veränderungen für das Unternehmen als Ganzes verdeutlicht.

Gespräche mit Bauherren und Koordinatoren

Wurde im Zuge der Baustellenrevisionen der Bauherr als "Verursacher" von Arbeitsschutzesmängeln identifiziert, führte das Aufsichtspersonal gezielte Präventionsgespräche mit Bauherren bzw. Koordinatoren durch.

Mit Bezug auf die festgestellten Mängel bildeten die gesetzlichen Verpflichtungen des Bauherrn nach Baustellenverordnung den Schwerpunkt dieses Gesprächs. Außerdem wurde auf die im Rahmen des Arbeitsprogramms angebotenen Weiterbildungs- und Informationsveranstaltungen hingewiesen.

Qualifikations- und Weiterbildungsmaßnahmen

Ein besonders positives Ergebnis des Arbeitsprogramms waren die Qualifikations- und Weiterbildungsmaßnahmen zu arbeitsschutzfachlichen Kenntnissen. Auf Grund der hohen Nachfrage konnte die Anzahl der angebotenen Seminare mehr als verdoppelt werden.

Zielgruppen waren Führungskräfte der Bauunternehmen, Beschäftigte der Gerüstbauer, Gerüstbenutzer sowie der Abbruchunternehmen sowie Bauherren und Koordinatoren. Insgesamt haben 20.000 Teilnehmer an über 1.000 Veranstaltungen teilgenommen.

Informationsmaterial für Unternehmen und Baustelle

Für die Zielgruppe der Gerüstbauer, Gerüstbenutzer sowie der Abbruch- und Rückbaufirmen wurden eine Reihe von Informationsmaterialien neu erarbeitet und verteilt:

  • Warnhinweise zum Anbringen am Gerüst
  • Gerüstbanner mit Warnhinweisen für Gerüstbenutzer
  • Informationsmappen mit Checklisten für den Aufsichtführenden im Abbruch/Rückbau
  • Merkkarten zu Gebäudeschadstoffen beim Abbruch/Rückbau

Der im Rahmen des Arbeitsprogramms produzierte Kurzfilm "Sturz vom Gerüst – Was nun?" unterweist Beschäftigte im Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz im Gerüstbau und klärt zu Rettungsmaßnahmen im Notfall auf.

GDA-Leitlinie "Planung und Ausführung von Bauvorhaben"

Die bewährten Verfahren der Zusammenarbeit zwischen den für den Arbeitsschutz zuständigen Landesbehörden und den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung sollen auch zukünftig fortgeführt werden.

Die neu geschaffene GDA-Leitlinie "Planung und Ausführung von Bauvorhaben" enthält Festlegungen zum arbeitsteiligen Vorgehen und zum Informationsaustausch zwischen Landesbehörden und UVT in der Baubranche. Synergieeffekte können damit auch in Zukunft genutzt werden. Die Zusammenarbeit des Aufsichtspersonals wird verstetigt.

Eine effizientes duales System im Arbeitsschutz

Bislang vorliegende Ergebnisse weisen auf einen Rückgang der Arbeitsunfälle auf Baustellen während der Projektlaufzeit hin. Erkennbar ist dies an der Reduzierung der Unfallkosten (im Verhältnis zu den Arbeitsentgelten) in den Gewerken Gerüstbau und Abbruch/Rückbau der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft.

Gleichzeitig demonstrieren die Ergebnisse die funktionierende Zusammenarbeit des Aufsichtspersonals der UVT und der für den Arbeitsschutz zuständigen Landesbehörden im Zusammenhang mit Baustellenrevisionen. Das "duale System" im Arbeitsschutz funktioniert effektiv und effizient.