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Gesund und erfolgreich arbeiten im Büro

Informationen zum Arbeitsprogramm Büro

Erkrankungen und Beschwerden des Bewegungsapparates zählen heute zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Befragungen zeigen, dass mehr als 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland während der Arbeit unter Schmerzen im Rücken beziehungsweise im Nacken- und Schulterbereich leiden. Viele der Betroffenen sind in ärztlicher Behandlung.

Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) sind zudem der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Fast ein Viertel aller durch Arbeitsunfähigkeit bedingten Ausfalltage gehen auf MSE zurück. Aus der arbeitswissenschaftlichen Forschung ist bekannt: MSE resultieren oft aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die wichtigsten sind:

  • körperliche Belastungen am Arbeitsplatz
  • psychosoziale Risikofaktoren (z.B. mangelnde soziale Unterstützung)
  • individuelle gesundheitliche Voraussetzungen und bewegungsarmer Lebensstil

Dies ist besonders für Beschäftigte an Büroarbeitsplätzen relevant. Denn klassische Fehlbelastungen im Büro, wie einseitige Körperhaltungen und Bewegungsmangel, wirken verstärkend auf die Entwicklung von MSE. In Kombination mit psychischen Fehlbelastungen, z.B. durch Arbeitsverdichtung, Zeitdruck oder fehlende soziale Unterstützung, steigt das Risiko einer Erkrankung des Bewegungsapparates weiter an.

Ziele des Arbeitsprogramms

Das Arbeitsprogramm "Gesund und erfolgreich arbeiten im Büro" hatte sich zum Ziel gesetzt, Muskel-Skelett-Belastungen und -Erkrankungen an Büroarbeitsplätzen zu reduzieren. Als wesentliche Handlungsfelder wurden identifiziert:

  • die Förderung einer wirksamen Präventionskultur auf betrieblicher Ebene
  • die Entwicklung einer angemessenen Gesundheitskompetenz bei Führungskräften und Beschäftigten

Verantwortliche sollten für das Thema MSE sensibilisiert und ihre Kompetenz zur Beurteilung physischer und psychosozialer Risikofaktoren gestärkt werden. Dies setzt ausreichendes Wissen über geeignete Maßnahmen zur Gestaltung menschengerechter Arbeit voraus.

Geplant und durchgeführt wurde das Arbeitsprogramm von den für den Arbeitsschutz zuständigen Landesbehörden, den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung (UVT) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). 

Schulung des Aufsichtspersonals

Das Aufsichtspersonal von UVT und Landesbehörden wurde für die Beurteilung der besonderen Gesundheits- und Arbeitsschutzanforderungen von Büroarbeitsplätzen qualifiziert. Themenschwerpunkte der Schulungen waren z.B. die ergonomische Gestaltung der Bildschirmarbeit und die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung unter besonderer Berücksichtigung psychischer Belastungen.

Die GDA-Leitlinie "Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz" bietet wichtige Hinweise zur Beurteilung psychischer Belastungen durch das Aufsichtspersonal.

Beratung und Überwachung

Betriebsbesichtigungen und Beratungen der Betriebe waren das Herzstück des Arbeitsprogramms. Zwischen April 2010 und September 2012 hat das Aufsichtspersonal der UVT und der Bundesländer mehr als 16.000 Betriebe im gesamten Bundesgebiet besucht. Der Schwerpunkt lag dabei auf kleinen und mittleren Betrieben.

Bei Abweichungen von den gesetzlich geforderten Mindeststandards im Arbeitsschutz (z.B. Angemessenheit der Gefährdungsbeurteilung; Umsetzung der Bildschirmarbeitsverordnung) wurde der Betrieb zu Nachbesserungsmaßnahmen verpflichtet. Über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus wurde die Situation im Betrieb eingehend analysiert. Leitfragen der Analyse waren z. B.:

  • Gibt es ein Leitbild zu Sicherheit und Gesundheitsschutz?
  • Gibt es eine integrierte betriebliche Gesundheitsförderung?
  • Werden die Beschäftigten bei Fragen zu Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz beteiligt?

Betriebe, die vom Nutzen einer verbesserten betrieblichen Präventionskultur und einer gesteigerten Gesundheitskompetenz ihrer Beschäftigten überzeugt werden konnten, wurden bei der Umsetzung von weitergehenden Maßnahmen unterstützt. Es galt, Veränderungsprozesse zu initiieren, wobei aber auch die Eigeninitiative der Betriebe gefragt war. Das Aufsichtspersonal hat die Betriebe insbesondere bei folgenden Themen unterstützt:

  • Optimierung der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung und Verringerung psychischer Fehlbelastungen
  • Beratung zum arbeitsmedizinischen Präventionskonzept
  • Stärkung eines gesundheitsförderlichen Verhaltens der Führungskräfte durch maßgeschneiderte Qualifizierungsangebote
  • Einführung einer Bewegungskultur im Unternehmen durch Motivation und Beratung sowie durch Vermittlung von konkreten Bewegungsangeboten

Im Rahmen von Zweitbesichtigungen ausgewählter Betriebe konnten Fortschritte überprüft und gegebenenfalls weitere Maßnahmen verabredet werden.

Werkzeugkoffer "Gesunde Büroarbeit"

Wichtiges Element des Arbeitsprogramms war die Entwicklung von Beratungs- und Schulungsmaterialien für die Verantwortlichen im Betrieb.

Hilfreiche Informationen bietet vor allem die Werkzeug- und Informationsmappe "Gesunde Büroarbeit". Sie enthält Poster, Broschüren sowie praxisnahe Hinweise und Informationen zu den Themen Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Reduktion psychischer Belastungen sowie Führungskultur und betriebliche Gesundheitsförderung. Der "Werkzeugkoffer" steht zum Herunterladen bereit. Im Rahmen des Arbeitsprogramms wurden bereits 12.000 gedruckte Exemplare verteilt.

Initiierung von Veränderungsprozessen im Betrieb

Die Aktivitäten im Rahmen des Arbeitsprogramms wurden fortwährend evaluiert. Die im Rahmen der Zweitbesichtigung am Ende des Arbeitsprogramms erfassten Daten lassen erste Rückschlüsse zu Veränderungsprozessen in den besuchten Betrieben zu.

Die Auswertung zeigt, dass Betriebe zwischen Erst- und Zweitbesichtigung insbesondere Fortschritte bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung und bei der Einhaltung der Bildschirmarbeitsverordnung gemacht haben. Kaum Verbesserungen gab es hingegen bei der sicherheits­technischen und betriebsärztlichen Betreuung.

Auch im Hinblick auf die "Präventionskultur" der Betriebe gab es leichte Verbesserungen: der Anteil der Betriebe, die ihre Führungskräfte zu Gesundheitsthemen schulen und die über ein arbeitsmedizinisches Präventionskonzept verfügen, hat zugenommen

Die vollständige Auswertung ist im Abschlussbericht des Arbeitsprogramms enthalten. Den Abschlussbericht sowie eine Kurzfassung (Deutsch und Englisch) finden Sie in der Box "Zum Thema".