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Sicherheit und Gesundheitsschutz bei einseitig belastenden und bewegungsarmen Tätigkeiten an Produktionsarbeitsplätzen im Bereich feinmechanischer Montiertätigkeiten

Informationen zum Arbeitsprogramm Feinmechanik

Charakteristisch für viele Arbeitsplätze im Bereich feinmechanischer Montier­tätigkeiten sind Präzision, hohe Sehanforderungen und feinmotorische Arbeit. Dabei sind viele Beschäftigten kritischen Belastungen ausgesetzt. Dazu gehören:

  • dauerhaft sitzende oder stehende Tätigkeiten
  • Zwangshaltungen und einseitige Belastungen
  • repetitive und taktgebundene Arbeit
  • Tätigkeiten mit Vibrationseinwirkung (Hand-Arm-Vibration)

Insbesondere der Muskel-Skelett-Apparat wird dabei stark belastet. Zahlen zu Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen zeigen: je 100 Versicherte entfallen bei Montierern bzw. Beschäftigten mit vergleichbarer Tätigkeit 39 Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen auf Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) und Erkrankungen des Bindegewebes. Dies liegt deutlich über dem Durchschnitt aller Versicherten (24).

Ziele des Arbeitsprogramms

Das Arbeitsprogramm wurde gestartet, um Unternehmen bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen zu unterstützen, die in ihren Produktions­abläufen feinmechanische Montiertätigkeiten einsetzen. Der Fokus des Arbeitsprogramms lag auf kleinen und mittleren Unternehmen. Ziel war es dabei, die betriebliche Präventionskultur zu verbessern und die Gesundheitskompetenz der Beschäftigten zu stärken. Langfristig sollte damit ein Beitrag zur Reduktion der Anzahl und Schwere von Muskel-Skelett-Erkrankungen geleistet werden.

An der Umsetzung des Programms waren die Arbeitsschutzbehörden der Länder Brandenburg und Sachsen sowie die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BG HM)  und die Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (BG ETEM) beteiligt.

Betriebsbesichtigungen

In den Jahren 2011 und 2012 wurden im Rahmen des Programms bundesweit 586 Betriebe besichtigt. Für die Betriebsbesichtigungen wurden Betriebe in Branchen mit einem hohen Anteil an feinmechanischen Produktionsarbeitsplätzen ausgewählt. Das Programm legte den Schwerpunkt daher auf folgende Branchen:

  • Komponentenfertigung für Fahrzeuge (z. B. Automobilzulieferindustrie)
  • Fertigung von Metall- und Kunststofferzeugnissen durch feinmechanische Montiertätigkeiten
  • Elektronikindustrie (z.B. Kleingeräte, Leuchtmittel, Platinenfertigung)
  • Textilindustrie (z. B. Polsterei)

Bei den Besichtigungen hat das Aufsichtspersonal der Berufsgenossenschaften und der Länder den Stand von Präventionskultur und Gesundheitskompetenz mit einem abgestimmten Erhebungsinstrument überprüft. Die Auswertung der Erhebungsergebnisse ist im Abschlussbericht des Arbeitsprogramms enthalten.

Auf Basis der Überprüfung hat das Aufsichtspersonal die Geschäftsführungen bzw. betrieblichen Arbeitsschutzakteure zu konkreten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen bei feinmechanischen Montiertätigkeiten beraten. Bei 52 Betrieben fand zusätzlich eine Zweitbesichtigung statt, um den Umsetzungsstand der Verbesserungsmaßnahmen zu überprüfen.

Als Hilfestellung wurden geeignete Publikationen ausgewählt, die den Betrieben während der Beratung vor Ort übergeben wurden. Alle frei zugänglichen Materialien können darüber hinaus über das GDA-Portal heruntergeladen werden (siehe Box "Zum Thema im Internet").

Best-Practice-Studie

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) wurde eine Best-Practice-Studie durchgeführt. In drei Betrieben wurden modellhaft die ergonomischen Bedingungen im Bereich feinmechanischer Montiertätigkeiten optimiert und die Veränderungen dokumentiert. Dabei kamen speziell angefertigte, ergonomische Montagearbeitsplätze zum Einsatz, die durch die BG ETEM zur Verfügung gestellt wurden. Die Ergebnisse dieser Studie werden in einem separaten Bericht veröffentlicht.

Fazit

In den meisten besuchten Betrieben war zwar eine Gefährdungsbeurteilung vorhanden. Auffällig war jedoch, dass eine detaillierte Beurteilung der feinmechanischen Montagearbeitsplätze und -tätigkeiten oft fehlte. Mit dem Arbeitsprogramm Feinmechanik konnten die Betriebe motiviert werden, auch Montagetätigkeiten noch spezifischer in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen.

Die Sensibilisierung der Betriebe, MSE durch Arbeitsschutzmaßnahmen und Angebote zur Gesundheitsförderung zu reduzieren, muss im "Revisionsalltag" weiter auf der Tagesordnung bleiben. Die im Rahmen des Programms entwickelte Handlungsanleitung und die gemeinsamen Schulungen des Aufsichtspersonals haben dafür eine gute Grundlage geschaffen.

Den vollständigen Abschlussbericht sowie eine Kurzfassung (Deutsch und Englisch) finden Sie in der Box "Zum Thema".