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Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Zeitarbeit

Informationen zum Arbeitsprogramm Zeitarbeit

Die Zeitarbeit hat in Deutschland in den letzten Jahren als Wirtschaftsfaktor und als Arbeitgeber kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Damit wurde es auch erforderlich, den Fokus des Arbeitsschutzes stärker auf diese Branche zu richten.

Handlungsbedarf in Punkto Arbeitsschutz besteht angesichts

  • der relativ hohen Unfallzahlen im Bereich Zeitarbeit, die über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft liegen,
  • der hohen und sich immer wieder verändernden Zahl von Beschäftigten in der Zeitarbeit (2012: ca. 900.000) in mehr als 100.000 Einsatzbetrieben,
  • der temporären Beschäftigungssituation der Zeitarbeitnehmer in den Einsatzbetrieben.


Diese Beschäftigungssituation stellt die betroffenen Arbeitnehmer vor besondere Herausforderungen:

  • ständig wechselnde Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Arbeitsanforderungen
  • häufige Anpassung an neue Arbeitsabläufe
  • oft mangelhafte Arbeitsplatz- und Aufgabenbeschreibungen
  • unzureichende Gefährdungsbeurteilungen
  • Wechsel der Tätigkeiten des Zeitarbeitnehmers im Einsatzbetrieb, ohne Absprache mit dem Zeitarbeitsunternehmen
  • unterschiedliche Organisationsstrukturen und betriebliche Kommunikationswege
  • veränderte Umgebungseinflüsse

Gefährdungen und Unfallrisiken für Zeitarbeitnehmer ergeben sich insbesondere aus den konkreten Arbeitsbedingungen "vor Ort" im Einsatzbetrieb. Der Schwerpunkt des Arbeitsprogramms lag daher darauf, diese Einsatzbedingungen im Interesse der Beschäftigten zu verbessern.

Durchgeführt wurde das Arbeitsprogramm gemeinsam von den staatlichen Arbeitschutzbehörden der Länder sowie den Unfallversicherungsträgern (UVT). Auf Seiten der UVT war die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft VBG federführend beteiligt. Die VBG ist der gesetzliche Unfallversicherungsträger für Zeitarbeitsunternehmen.

Ziele des Arbeitsprogramms

Ziel des Arbeitsprogramms war es, die Zahl und Schwere der Arbeitsunfälle in der Zeitarbeitsbranche zu reduzieren. Konkret sollte dies erreicht werden durch 

  • eine verbesserte Kommunikation zwischen Zeitarbeitsfirma und Einsatzbetrieb auf der Basis der Gefährdungsbeurteilungen,
  • eine systematische Wahrnehmung des Arbeitsschutzes im Einsatzbetrieb in Zusammenarbeit mit der Zeitarbeitsfirma und
  • Qualifizierung und Ausbildung der betrieblichen Akteure zum Thema Arbeitsschutz.

Beratung und Überwachung

Zwischen 2009 und 2012 hat das Aufsichtspersonal rund 12.000 Einsatzbetriebe von Zeitarbeitnehmern besichtigt. Im Fokus standen dabei Betriebe, in denen entweder mit besonders hohen Anteilen von Zeitarbeitspersonal zu rechnen war oder in denen die Einsatzbedingungen besonders gravierende Gefährdungen vermuten ließen.

Bezüglich der Betriebsgrößen wurden für die Betriebsbesichtigungen bevorzugt Betriebe mit 50 – 500 Beschäftigten ausgewählt. In Betrieben dieser Größe war davon auszugehen, dass es ein (mehr oder weniger) festgelegtes betriebliches Ablaufverfahren zur Beschäftigung und Einweisung von Zeitarbeitspersonal gibt. Die systematische Verbesserung dieser Abläufe hätte also eine präventive Wirkung. Das Aufsichtshandeln in dieser Gruppe erschien zudem recht effektiv, da jeweils eine größere Gruppe von Beschäftigten erreicht wird.

Wurden im Rahmen der Betriebsbesichtigung substantielle Mängel vorgefunden, so erfolgte nach ca. 12 Monaten eine Zweitbesichtigung. In der Zwischenzeit wurden die Zeitarbeitsunternehmen sowie die Einsatzbetriebe über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Zeitarbeit und das GDA-Arbeitsprogramm informiert. Bei der Zweitrevision wurde überprüft, ob eine Verbesserung der Sicherheit und des Arbeitsschutzniveaus stattgefunden hatte und ob eventuelle Mängel abgestellt worden waren. Eine Zweitbesichtigung fand in ca. 10 Prozent der besichtigten Betriebe statt.

Grundlage der Betriebsbesichtigung war ein einheitlicher Erhebungsbogen zur Erfassung der Arbeitsschutzsituation. Aspekte der Überprüfung waren die Durchführung der grundsätzlichen Arbeitsschutzmaßnahmen, Arbeitsschutzbestimmungen zwischen Einsatzbetrieb und Zeitarbeitsfirma sowie die Überprüfung der Einsatzbedingungen.

Mehr Sicherheit in der Zeitarbeit

Erfreuliches Ergebnis der Betriebsbesichtigungen war, dass ein Großteil der besichtigten Arbeitsplätze unter rechtlichen Gesichtspunkten nicht zu beanstanden war. Allerdings wiesen etwa 10 bis 15 Prozent Mängel auf, die weitergehende behördliche Maßnahmen erforderten. Der Vergleich zwischen Erst- und Zweitbesichtigung zeigt, dass dort, wo unmittelbarer Handlungsbedarf bestand, die Arbeitsschutzsituation durch die Intervention der Aufsichtsdienste in kurzer Zeit erheblich verbessert werden konnte.

Festzuhalten bleibt auch, dass das Unfallgeschehen in der Branche Zeitarbeit - bezogen auf die Zahl der Versicherten - rückläufig war und auch absolut, trotz steigender Versichertenzahlen, die letzten Höchststände von 2008 nicht mehr erreicht hat. Die Ergebnisse des Arbeitsprogramms konnten darüber hinaus nachweisen, dass das allgemeine Niveau des Arbeitsschutzes direkt mit dem Niveau des Arbeitsschutzes für die Zeitarbeit zusammenhängt. Das heißt: in jenen Betrieben, in denen der Arbeitsschutz gut geregelt ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die verschiedenen Aspekte der Beschäftigung der Zeitarbeitnehmer gut geregelt sind. Anstrengungen der Arbeitsschutzbehörden der Länder und der UVT, den betrieblichen Arbeitsschutz und hier namentlich die Organisation von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Betrieben zu verbessern, führen mittelbar auch zur Verbesserung der Arbeitsschutzsituation für die Beschäftigten in der Zeitarbeit.

Begleitend zur Beratung und Überwachung der Betriebe wurde in zahlreichen regionalen und überregionalen Printmedien über das Arbeitsprogramm und die Arbeitsschutzproblematik in der Zeitarbeit berichtet. Auf Veranstaltungen, die sich dem Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz widmeten, sowie bei Tagungen der Gewerkschaften und der Verbände der Zeitarbeit konnten Vorträge und Diskussionsbeiträge zum Arbeitsprogramm platziert werden.

Im November 2012 fand in Duisburg die Abschlusstagung des GDA-Arbeitsprogramms Zeitarbeit statt. Auf der Veranstaltung wurden die Entwicklung und Herausforderungen beleuchtet, mit denen Akteure bei der Gestaltung von Sicherheit und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten in der Zeitarbeit konfrontiert sind. Im Dialog mit erfahrenen Experten wurden Schwierigkeiten, Fallstricke und positive Erfahrungen deutlich gemacht.

Mehr dazu: Dokumentation Fachtagung Zeitarbeit

Die vollständige Auswertung der Aktivitäten ist im Abschlussbericht des Arbeitsprogramms enthalten. Den Abschlussbericht sowie eine Kurzfassung (Deutsch und Englisch) finden Sie in der Box "Zum Thema".