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Thema des Monats

Die Dachevaluation der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA)

Eine politische Strategie wie die GDA zu evaluieren, stellt besonders hohe Anforderungen an eine Evaluation. Im konkreten Fall werden im Rahmen der GDA - ganz im Sinne des Begriffs komplexer Interventionen - mehrere Zielsetzungen und Arbeitsprogramme unter dem Dach einer politischen Strategie gebündelt. Dieses komplexe Gesamtpaket von Zielen und Maßnahmen zu evaluieren, stellt eine Herausforderung dar, der sich die Träger der GDA u.a. dadurch gestellt haben, dass sie im vergangenen Jahr ein Evaluatorenteam bestehend aus Mitarbeitern der Kooperationsstelle Hamburg und TNS Infratest beauftragt haben, umfangreiche Befragungen sowie Interviews und Auswertungen durchzuführen.

Zur Dach- bzw. Gesamtevaluation der GDA leisten auch die Einzel-Evaluationen der elf GDA-Arbeitsprogramme einen Beitrag. Insgesamt zählen zu den intendierten Wirkungen der GDA beispielsweise die Steigerung der Präventionskultur in Unternehmen, größere Kohärenz im Vorschriften- und Regelwerk, aber auch eine intensivere Kommunikation und Kooperation zwischen den drei GDA-Trägern Bund, Länder und UVT sowie zwischen diesen und den Sozialpartnern und Dritten (Kranken- und Rentenversicherung, Wissenschaft etc.). Die "GDA-Dachevaluation", die das neue gemeinsame Vorgehen sowohl feststellen, als auch dessen Erfolgsfaktoren identifizieren soll, erfolgt angesichts der Fülle der zu berücksichtigenden Aspekte mit einer multi-methodischen Erhebungsstrategie, die eine umfassende Partizipation der GDA-Träger, der Sozialpartner sowie der Wissenschaft vorsieht und zugleich u.a. deren partizipatives Vorgehen untereinander zum Gegenstand hat.

Befragung zur Präventionskultur am Arbeitsplatz startet

Den ersten Pflock im gesetzlich vorgesehenen Strategie-Kernelement Evaluierung schlägt die GDA in diesem Jahr mit einer groß angelegten Betriebs- und Beschäftigtenbefragung ein. Von Mai bis Juli wird das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest 6.500 Betriebe und voraussichtlich 5.000 bis 6.500 Beschäftigte telefonisch zur gelebten Präventionskultur am Arbeitsplatz, zur eigenen Gesundheitskompetenz und zu Basisaufgaben des betrieblichen Arbeitsschutzes wie beispielsweise der Gefährdungsbeurteilung befragen. Von den Unternehmen will die GDA unter anderem wissen, wie zufrieden sie mit den jetzigen Vorschriften sind – und welche Vorschriften der Geschäftsführung beziehungsweise den Arbeitsschutzfachleuten im Betrieb am geläufigsten sind. Die Erhebungsinstrumente für diese groß angelegte Befragung, die eine Art Nulllinie für die weiteren Anstrengungen der Strategie abbilden wird, haben die GDA-Träger gemeinsam mit Vertretern der Sozialpartner Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) entwickelt. Es ist geplant, die Befragung in jeder kommenden GDA-Periode, das nächste Mal also im Zeitraum 2013 – 2017, erneut durchzuführen, um Vergleiche im Zeitverlauf zu ermöglichen. So können Unternehmen und Beschäftigte sich regelmäßig zum Stand des Arbeitsschutzes in Deutschland äußern. Nicht zuletzt mit Hilfe dieses Barometers wird es langfristig möglich sein, Indizien zu gewinnen, die auf die Erfolge der GDA verweisen und gleichzeitig Hinweise liefern, wo gegebenenfalls nachzusteuern ist.

Schwierige Fragen – vorläufige Antworten

Wie aber kann man im Einzelnen ermitteln, ob dem Effektivierungsbedarf im Arbeitsschutzsystem, der sich aus dem deutschen Dualismus der gesetzlichen Unfallversicherung einerseits und den staatlichen Arbeitsschutzbehörden andererseits ergibt, bereits wirksam begegnet wurde? Inwieweit sind die Schnittmengen im Präventions- und Überwachungsauftrag beider Akteursgruppen bereits optimiert worden? Hat sich die Kooperation zwischen Unfallversicherungsträgern (UVT) und Gewerbeaufsichtsämtern der Länder bereits intensiviert und wie umfangreich greift hier die Strategie, d.h. wie stark richten die Arbeitsschutzakteure ihr Präventionshandeln wirklich an den Nationalen Arbeitsschutzzielen aus? – Auch all diese Fragen werden in der laufenden GDA-Periode gestellt, ohne dass schon abschließende Antworten erwartet werden (können). Ebenfalls geplante schriftliche Befragungen der Aufsichtsdienste zu den genannten Themen sollen vielmehr einen ersten Eindruck, eine Nulllinie wiedergeben – zu einem Zeitpunkt, da die Kooperationen noch nicht zur jahrelangen Routine gehören und sich noch verbessern lassen. Neben ausführlichen Interviews mit den Arbeitsprogrammleitern sieht die Beauftragung der Evaluatoren außerdem Experten-Interviews u.a. bei einer Stichprobe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Arbeitsschutzforums sowie die Auswertung von Sozialversicherungsdaten – etwa der Zahl der Berufskrankheiten – und anderer statistischer Daten vor. Ihren ersten Zwischenbericht liefern die beauftragten Institute voraussichtlich im Herbst 2011. Zu einem Abschluss kommt die GDA-Dachevaluation aber erst im Jahre 2013 – eine gewisse Zeit nach Ende der eigentlichen ersten Strategieperiode.