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(leer) Herr Vogt, Präventionsleiter im Landesverband Nord-Ost und Frau Dr. Martin, Leiterin des Referates Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, Marktüberwachung, im Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg Quelle:Anne Reisenweber | MGS Brandenburg

Jährlicher GDA-Erfahrungsaustausch der Aufsichtsdienste der Länder Berlin und Brandenburg und der Unfallversicherungsträger

Datum 19.03.2026

In den Räumen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Berlin, kamen Mitte Februar rund 130 Vertreterinnen und Vertreter der staatlichen Aufsichtsdienste aus Berlin und Brandenburg sowie der Unfallversicherungsträger zu ihrem jährlichen GDA-Erfahrungsaustausch zusammen. Im Mittelpunkt stand der Ausblick auf das GDA-Experimentierjahr 2026, das zu Jahresbeginn begonnen hat.

Der Schwerpunkt des Experimentierjahres liegt auf der Vermeidung von Absturzunfällen, die insbesondere in Industrie und Bau weiterhin zu den folgenschwersten Risiken zählen. Das Arbeitsprogramm nimmt drei zentrale Gefährdungsbereiche in den Blick: Laderampen und Fahrzeuge, Gerüste und Leitern sowie Arbeiten auf Dächern. Neu ist – wie von Dagmar Windhövel, DGUV, und Rainer Kabelitz-Ciré, Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, vorgestellt –, dass Aufsichtsbehörden und Unfallversicherungsträger zusätzliche branchenspezifische Schwerpunkte setzen können. Abhängig von regionaler Wirtschaftsstruktur und Gefährdungslage dürfen weitere Themen mit Absturzrisiken einbezogen werden. Damit soll die Strategie stärker an tatsächlichen Risikoprofilen ausgerichtet werden – weg von starren Zielvorgaben, hin zu einer wirksamkeitsorientierten Steuerung.

Für eine risikoorientierte Steuerung gewinnt auch der Einsatz künstlicher Intelligenz an Bedeutung. Datenbasierte Modelle könnten künftig Unternehmen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial identifizieren – etwa aufgrund branchenspezifischer Unfallhäufigkeiten, auffälliger Meldeverläufe oder struktureller Risikofaktoren. Ziel ist es, knappe personelle Ressourcen gezielter einzusetzen und die Wirksamkeit der Aufsicht zu steigern. Derzeit nutzen jedoch ausschließlich die Unfallversicherungsträger diese Technologie; staatliche Aufsichtsdienste können bislang nicht darauf zugreifen.

Neben fachlichen und technischen Entwicklungen wurde auch der personelle Wandel thematisiert. Der Generationenwechsel nicht nur im öffentlichen Dienst ist deutlich spürbar. Im Format „Youngster berichten“ gaben Nachwuchskräfte der Arbeitsschutzbehörden und von der BG Bau Einblicke in ihren Berufsalltag. Sie berichteten von Gesprächen mit Unternehmensleitungen, Unsicherheiten im Umgang mit Konfliktsituationen sowie der Herausforderung, komplexe Vorschriften rechtssicher umzusetzen.

Auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten waren Thema im „Poster-Walk“. Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein Beitrag zu Gewalt gegen Beschäftigte der Arbeitsschutzaufsicht. Vorgestellt wurden Ergebnisse einer gemeinsamen Befragung der Arbeitsschutzaufsichten in Brandenburg und Berlin. Untersucht wurde, wie häufig Beschäftigte verbale oder körperliche Übergriffe erleben und wie sie Präventions- und Nachsorgemaßnahmen bewerten. Rund ein Drittel der abhängig Beschäftigten mit häufigem Kontakt zu betriebsfremden Personen hat innerhalb eines Jahres verbale Übergriffe am Arbeitsplatz erlebt. Weitere Stationen befassten sich mit Kontrollen in Laboren mit Asbestanalytik sowie mit KI-gestützten Tools zur risikoorientierten Betriebsauswahl.

Mit Blick auf die Zukunft der Strategie berichtete Monika Büning, Leitung der Geschäftsstelle der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz über die Planungen für die vierte GDA-Periode. Diese soll stärker an identifizierten Handlungsfeldern anknüpfen und durch Arbeitsprogramme untersetzt werden. Vorschläge können noch bis zum 30. April 2026 eingereicht werden. Der Start der neuen Periode ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde der Staffelstab – symbolisch in Form eines Sicherheitshelms – vom Ausrichter, vertreten durch Andreas Vogt, Präventionsleiter im Landesverband Nord-Ost, an das Land Brandenburg übergeben. Dr. Martin, Leiterin des Referates Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, Marktüberwachung, im Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg, nahm den Helm entgegen. Brandenburg übernimmt als Nächstes die Federführung des kommenden Erfahrungsaustauschs, der am 11. Februar 2027 stattfinden wird.